Privatinsolvenz in Nürnberg: Ablauf, Dauer und Kosten

08. Oktober 2026 4 Min. Lesezeit Redaktion anwaltvergleich.de
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Eine Privatinsolvenz in Nürnberg beantragen Sie beim Insolvenzgericht des Amtsgerichts Nürnberg, Flaschenhofstraße 35, 90402 Nürnberg. Das Verfahren — rechtlich Verbraucherinsolvenz genannt — dauert seit der Reform des Insolvenzrechts in der Regel drei Jahre bis zur Restschuldbefreiung. Voraussetzung ist, dass Sie zahlungsunfähig sind und vor dem Antrag einen außergerichtlichen Einigungsversuch mit Ihren Gläubigern unternommen haben. Dieser Beitrag erklärt den Ablauf Schritt für Schritt, die Dauer, die Kosten und die Besonderheiten am Nürnberger Gericht.

Wer kann die Privatinsolvenz nutzen?

Die Verbraucherinsolvenz nach den §§ 304 ff. InsO steht Privatpersonen offen, die keine selbstständige wirtschaftliche Tätigkeit ausüben. Ehemals Selbstständige können das Verfahren nutzen, wenn ihre Vermögensverhältnisse überschaubar sind und gegen sie keine Forderungen aus Arbeitsverhältnissen bestehen, etwa offene Löhne oder Sozialversicherungsbeiträge früherer Mitarbeiter. Wer aktuell selbstständig ist oder diese Voraussetzungen nicht erfüllt, durchläuft stattdessen die Regelinsolvenz — ebenfalls beim Insolvenzgericht Nürnberg.

Schritt 1: Der außergerichtliche Einigungsversuch

Vor dem Insolvenzantrag müssen Sie versuchen, sich mit Ihren Gläubigern auf einen Schuldenbereinigungsplan zu einigen. Scheitert der Versuch, bescheinigt das eine geeignete Stelle oder Person nach § 305 InsO — in Betracht kommen anerkannte Schuldnerberatungsstellen sowie Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte. Diese Bescheinigung ist Pflichtbestandteil des Antrags; ohne sie nimmt das Gericht den Antrag nicht an. Schon in dieser Phase lohnt fachkundige Begleitung, denn ein gut vorbereiteter Plan kann das gerichtliche Verfahren ganz vermeiden.

Schritt 2: Antrag beim Insolvenzgericht Nürnberg

Zuständig ist das Insolvenzgericht beim Amtsgericht Nürnberg, Flaschenhofstraße 35, 90402 Nürnberg (Telefon 0911 32101, Servicezeiten montags bis freitags von 08:00 bis 12:00 Uhr sowie nach Vereinbarung). Seine örtliche Zuständigkeit umfasst neben Nürnberg auch die Amtsgerichtsbezirke Hersbruck, Neumarkt in der Oberpfalz und Schwabach. Der Antrag wird auf amtlichen Formularen gestellt und enthält unter anderem ein Vermögensverzeichnis, die Gläubiger- und Forderungsübersicht sowie den Antrag auf Restschuldbefreiung mit der Abtretungserklärung über das pfändbare Einkommen.

Schritt 3: Verfahren und Wohlverhaltensphase

Nach der Eröffnung verwaltet ein Treuhänder das pfändbare Vermögen und Einkommen. In der anschließenden Wohlverhaltensphase gelten Obliegenheiten: eine angemessene Erwerbstätigkeit ausüben oder sich ernsthaft darum bemühen, Erbschaften in der gesetzlich bestimmten Höhe herausgeben, jeden Wohnsitz- und Arbeitgeberwechsel anzeigen und Zahlungen an die Gläubiger nur über den Treuhänder leisten. Wer die Obliegenheiten verletzt, riskiert die Versagung der Restschuldbefreiung — dann war das gesamte Verfahren umsonst. Der Treuhänder verteilt die eingehenden Beträge einmal jährlich an die Gläubiger und berichtet dem Gericht.

Dauer: drei Jahre bis zur Restschuldbefreiung

Für Verfahren, die seit dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden, beträgt die Abtretungsfrist nach § 287a InsO drei Jahre — unabhängig davon, wie viel der Schulden Sie in dieser Zeit tilgen. Nach Ablauf erteilt das Gericht die Restschuldbefreiung: Die restlichen Schulden erlöschen, ausgenommen bestimmte Forderungen wie solche aus vorsätzlich begangener unerlaubter Handlung oder Geldstrafen.

Kosten und Stundung

Es fallen Gerichtskosten und die Vergütung des Treuhänders an; beide hängen vom Umfang des Verfahrens ab. Wer die Kosten nicht aufbringen kann, beantragt die Stundung der Verfahrenskosten nach § 4a InsO — dann scheitert die Restschuldbefreiung nicht am fehlenden Geld. Die Stundung wird zusammen mit dem Insolvenzantrag beantragt.

Was vom Einkommen bleibt

Während des Verfahrens wird nur der pfändbare Teil des Einkommens an den Treuhänder abgeführt. Der unpfändbare Grundbetrag bleibt Ihnen zum Leben; er erhöht sich, wenn Sie Unterhaltspflichten haben, etwa gegenüber Kindern. Die jeweils geltenden Pfändungsfreigrenzen ergeben sich aus der Tabelle zu § 850c ZPO. Sinnvoll ist außerdem ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto), damit der geschützte Betrag auch auf dem Girokonto tatsächlich verfügbar bleibt.

Warnung des Gerichts: Betrugsmasche mit Nürnberger Gerichtsdaten

Das Amtsgericht Nürnberg warnt auf seiner Internetseite ausdrücklich davor, dass Daten des Gerichts im Zusammenhang mit Insolvenzsachen missbraucht wurden — unter anderem durch gefälschte Anrufe und gefälschte Treuhändervereinbarungen. Gerichtskosten zieht ausschließlich die Landesjustizkasse Bamberg ein. Prüfen Sie Rechnungen und Kontaktaufnahmen kritisch und fragen Sie im Zweifel direkt beim Insolvenzgericht nach, bevor Sie zahlen.

Ob Verbraucherinsolvenz oder Regelinsolvenz, ob Stundung oder Schuldenbereinigungsplan: Welcher Weg im Einzelfall der richtige ist und welche Pflichten gelten, gehört in fachkundige Prüfung. Eine Anwältin oder einen Anwalt für Insolvenzrecht in Nürnberg finden Sie über unsere kostenlose Anfrage — schildern Sie kurz Ihre Situation, wir leiten sie an eine passende Kanzlei weiter.

Quelle: Bayerisches Staatsministerium der Justiz — Amtsgericht Nürnberg, Insolvenzverfahren (Zuständigkeit, Anschrift, Servicezeiten, Betrugswarnung), abgerufen am 08.10.2026.

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Häufig gestellte Fragen

Wo beantrage ich die Privatinsolvenz in Nürnberg?
Beim Insolvenzgericht des Amtsgerichts Nürnberg, Flaschenhofstraße 35, 90402 Nürnberg. Es ist örtlich zuständig für die Amtsgerichtsbezirke Nürnberg, Hersbruck, Neumarkt in der Oberpfalz und Schwabach. Vor dem Antrag ist ein außergerichtlicher Einigungsversuch mit Bescheinigung einer geeigneten Stelle nach § 305 InsO Pflicht.
Wie lange dauert die Privatinsolvenz?
Für Verfahren, die seit dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden, beträgt die Frist bis zur Restschuldbefreiung nach § 287a InsO drei Jahre. Das gilt unabhängig davon, wie viel der Schulden in dieser Zeit getilgt wird, solange die Obliegenheiten eingehalten werden.
Was kostet die Privatinsolvenz und was gilt bei fehlendem Geld?
Es fallen Gerichtskosten und die Vergütung des Treuhänders an, deren Höhe vom Umfang des Verfahrens abhängt. Wer die Kosten nicht aufbringen kann, beantragt zusammen mit dem Insolvenzantrag die Stundung der Verfahrenskosten nach § 4a InsO — die Restschuldbefreiung scheitert dann nicht am fehlenden Geld.
Mit KI erstellt Stand: 08. Oktober 2026

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